Ballettatelier Ludwigsburg | Tanzfotografie einer Gala

Ich freue mich immer, wenn Elena Papageorgiou vom Ballettatelier Ludwigsburg bei mir anruft. In den letzten Jahren habe ich dort immer mal wieder Galavorstellungen fotografiert. Die Schule arbeitet auf hohem Niveau, gleichzeitig ist die Atmosphäre sehr herzlich, auch hinter der Bühne.

In diesem Jahr war das Thema Don Quixote. Ein Thema für sehr vielfältigen Tanz und ebenso vielfältige Kostüme. Kleine Kinder standen neben fortgeschrittenen Schülerinnen und Schülern auf der Bühne, klassisches Ballett und Flamenco neben moderneren Stücken, große Gruppen neben Solisten. Genau diese Mischung macht solche Galas für mich fotografisch interessant.

So eine große und etablierte Ballettschule wie das Ballettatelier Ludwigsburg ist immer etwas Besonderes. Kleine Kinder stehen vielleicht mit drei Jahren zum ersten Mal auf einer Bühne, andere tanzen seit vielen Jahren, manche bis ins hohe Alter. Für einige ist Tanz ein schönes Hobby, andere bereiten sich ernsthaft auf eine weiterführende Ausbildung oder vielleicht sogar eine professionelle Laufbahn vor.

Die großen Gala- oder Jahresvorstellungen sind für alle etwas Besonderes. Die Schülerinnen und Schüler können zeigen, was sie gelernt haben, Lehrerinnen und Lehrer zeigen einen Teil ihrer Arbeit und Familien und Freunde bekommen zu sehen, was sonst oft hinter Studiotüren passiert. Für die Tanzenden selbst ist so ein Termin natürlich auch eine besondere Motivation und ein Termin, auf den über viele Wochen hingearbeitet wird.

Beim Ballettatelier Ludwigsburg beginnen die Vorbereitungen schon viele Monate vorher. Aus ersten Ideen werden Figuren, Szenen und schließlich ganze Tänze. Die Kinder wachsen dabei nach und nach in ihre Rollen hinein und erleben, wie aus vielen einzelnen Schritten etwas Gemeinsames entsteht. Gerade für die Jüngeren kann so eine Aufführung weit mehr sein als nur ein Auftritt: Lampenfieber überwinden, Verantwortung übernehmen, aufeinander achten und am Ende gemeinsam auf einer großen Bühne stehen. Auch die Anerkennung durch Eltern, Lehrer und Publikum kann das Selbstbewusstsein stärken.

Fotografisch bedeutet daher die Gala oder Jahresvorstellung einer Ballett- oder Tanzschule etwas anderes als eine professionelle Theaterproduktion. Die Eltern möchten nicht nur das schönste Gesamtbild oder die herausragenden Solisten der Aufführung sehen. Wenn ein Kind nur für kurze Zeit auf der Bühne steht, ist genau dieser Moment für das Kind und die Familie wichtig. Mein nicht immer einfach zu realisierendes Ziel ist deshalb, möglichst von allen Beteiligten Bilder zu machen, die helfen, diesen besonderen Tag in guter Erinnerung zu behalten. Gerade weil solche Vorstellungen für einen Lebensabschnitt oder die Entwicklung junger Menschen wichtig sein können, bekommen auch diese Erinnerungen noch einmal einen besonderen Wert.

Hinter der Bühne

Gerade bei den Vorbereitungen der Show hinter der Bühne entstehen oft Bilder, die ich besonders mag. Dort werden Kostüme gerichtet, Haare gemacht, Schuhe gebunden und noch schnell Bewegungen wiederholt. Eltern helfen, Lehrer geben letzte Hinweise und irgendwo dazwischen warten kleine Tänzerinnen und Tänzer hoch konzentriert auf ihren Auftritt, manchmal aber auch voller Lampenfieber oder sogar ängstlich. Emotional passiert dort sehr viel.

Ruhe und Zeit zum Beobachten zu haben, ist in dieser quirligen Umgebung etwas ganz Besonderes. Wenn man dort unauffällig fotografieren kann, entstehen manchmal sehr persönliche Bilder: ernste kleine Gesichter, konzentrierte ältere Schülerinnen, ein kurzer Blick zwischen zwei Tänzern oder ein Lehrer, der noch etwas erklärt. Man sollte dabei allerdings wissen, wann man besser nicht im Weg steht. Backstage ist kein Fotostudio.

Gerade Backstage sind Achtsamkeit und Respekt besonders wichtig. Umkleideräume sind keine normalen Arbeitsräume, sondern sehr private Bereiche. Am besten ist vorher genau abgesprochen, wann und wo fotografiert werden darf. Noch besser ist es, wenn die Tänzerinnen und Tänzer wissen, dass ein Fotograf da sein wird. Elena Papageorgiou organisiert auch das perfekt, so dass ich nicht plötzlich als unerwünschter Eindringling irgendwo auftauche. Trotzdem muss man aufmerksam bleiben. Wenn jemand gerade nicht fotografiert werden möchte oder eine Situation zu privat wird, zieht man sich zurück. So wichtig ist kein Bild.

In diesem Jahr konnte ich in Ludwigsburg bei Elena aus Zeitgründen leider keine Generalprobe fotografieren. Deshalb war ich ein paar Stunden vor der Vorstellung dort, um die Vorbereitungen beobachten und fotografieren zu können.

Bevor es losgeht

Am liebsten fotografiere ich bei der Generalprobe. Ich kann näher an die Bühne, störe weniger und habe mehr Bewegungsfreiheit als während einer öffentlichen Vorstellung. Leider ist das nicht immer möglich.

Auch außerhalb der eigentlichen Show lohnt es sich, viel Zeit mitzubringen. An diesem Tag konnte ich dadurch zum Beispiel die Stellprobe und die letzten Choreografie-Anweisungen beobachten. Da es lange vor dem Eintreffen der Zuschauer war, konnte ich mich auch auf der Bühne und dahinter bewegen.

Der Blick von der Bühne in Richtung Zuschauerraum ist dabei etwas Besonderes. Ebenso wie die vertrauensvolle Nähe zwischen Schülerinnen und Lehrern, die in solchen Momenten sichtbar werden kann.


Don Quixote

Bei einer solchen Gala kann innerhalb weniger Minuten fotografisch alles wechseln. Gerade noch stehen kleine Kinder in lustigen Kostümen auf der Bühne, kurz danach folgt ein anspruchsvolles klassisches Solo und anschließend vielleicht eine moderne Gruppenarbeit.

Manche Schülerinnen und Schüler stehen im Laufe des Abends mehrfach auf der Bühne und tauchen plötzlich in einer völlig anderen Rolle wieder auf. Das finde ich immer wieder erstaunlich. Man hat gerade jemanden aufmerksam beobachtet und wenige Minuten später steht derselbe Mensch mit einem anderen Kostüm und einer völlig anderen Rolle vor der Kamera.

Für mich heißt das: ständig die ganze Bühne im Blick behalten und gleichzeitig einzelne Personen sehen. Gruppen, Solisten, schnelle Bewegungen, spannende Interaktionen, unterschiedliche Lichtstimmungen. Bei den eigentlich immer unbekannten Choreografien weiß ich nie, was in der nächsten Sekunde passiert.

Ich fotografiere in der Regel mit zwei möglichst ähnlichen Kameras. An einer ist ein Standardzoom (28–70 mm), an der anderen ein Tele (70–200 mm). Mit dem Standardzoom behalte ich die ganze Bühne und größere Gruppen im Blick. Mit dem Tele kann ich Solisten, Gesichter und Details herausgreifen. Dabei muss ich aufpassen, dass ich mit dem Tele nicht zu lange an einem spannenden Solo „kleben“ bleibe. Gerade bei einer Ballettschule sollen auch die Kinder, die gerade nicht im Vordergrund stehen nicht nur irgendwo klein in einer Übersichtsaufnahme auftauchen. Deshalb lasse ich den Blick mit dem Tele immer wieder über die Bühne wandern und suche gezielt nach schönen Szenen.

Etwas Besonderes ist es auch immer, wenn Profis von außen oder ehemalige Schülerinnen und Schüler mitwirken, die inzwischen selbst auf großen Bühnen stehen. In diesem Jahr war zum Beispiel Denis Edelmann dabei. Er hat an der Universität der Künste Berlin studiert und war in vielen großen Produktionen zu sehen. Solche Gäste können die Bühne prägen und geben jüngeren Schülerinnen und Schülern in der Zusammenarbeit ganz besondere Chancen.

Nach solchen mehrstündigen Terminen bin ich meistens ziemlich geschafft. Nicht nur die Tänzerinnen und Tänzer wissen nach so einem Tag, was sie getan haben. Aber der Aufwand lohnt sich. Man bekommt viele Chancen für besondere Fotos. Und vielleicht noch wichtiger: Man kann den Beteiligten und ihren Familien Erinnerungen geben, die bleiben. Vielleicht ist genau das überhaupt eine der schönen Besonderheiten der Tanzfotografie.

Sulamith Bachor tanzte „Dido’s Lament“ Sulamith Bachor tanzte „Dido’s Lament“

Sulamith Bachor tanzte „Dido’s Lament“  Ballettatelier Ludwigsburg Sulamith Bachor tanzte „Dido’s Lament“
Ballettatelier Ludwigsburg

Ein Solo bleibt hängen

Bei der Gala 2026 des Ballettatelier Ludwigsburg gab es viele Stücke und viele Bilder, die mir gefallen haben. Ein Solo ist mir aber besonders im Gedächtnis geblieben: Sulamith Bachor tanzte zu „Dido’s Lament“ von Henry Purcell.

Die Choreografie war dynamisch, spannend und emotional, dazu eine Musik, die einen sofort mitgenommen hat. Die ausladenden Bewegungen von Sulamith mit einem Tuch wechselten sich mit kleinen, sehr starken Posen und Figuren ab. Gerade dieser gekonnte Wechsel gab dem Stück für mich eine besondere Stärke und Dynamik.

Mal konnte ich komplexe Bewegungen mit dem Tuch erfassen, mal einen direkten Blick in Richtung Publikum. Genau solche Wechsel sind für mich als Fotograf besonders spannend, weil innerhalb weniger Sekunden völlig unterschiedliche Bilder entstehen können.

Manchmal bedauere ich aber auch, solche besonderen Stücke durch die Kamera beobachten zu müssen und nicht einfach nur zuschauen zu können. Umso schöner ist es, wenn ich die Gelegenheit habe, bei einer Generalprobe zu fotografieren und die eigentliche Vorstellung später einfach als Zuschauer zu erleben.

Solche Überraschungen bei den ohnehin sehr vielfältigen und oft sehr guten Vorstellungen großer Ballettschulen machen diese Termine für mich immer wieder spannend und besonders.

Katja Trautwein
Katja Trautwein, Ballettatelier Ludwigsburg Katja Trautwein, Ballettatelier Ludwigsburg

Was danach bleibt

Solche Termine sind für mich nicht nur wegen der fertigen Bilder interessant. Man trifft Menschen wieder, lernt neue kennen und manchmal führt eine Begegnung später zu etwas ganz anderem.

Ein Beispiel ist Katja Trautwein. Sie war schon als Tänzerin bei mir im Studio in Karlsruhe und später Regisseurin von „Bewegungsmoment“, einem Film mit mir in meiner Rolle als Tanzfotograf, über den ich in [dieser Story] erzähle.

Bei der Gala „Don Quixote“ vom Ballettatelier Ludwigsburg habe ich sie 2026 wieder als Tänzerin auf der Bühne getroffen. So kreuzen sich die Wege manchmal in ganz unterschiedlichen Rollen.

Auch aus Begegnungen mit Lehrerinnen, Lehrern oder älteren Schülerinnen und Schülern entstehen gelegentlich freie Tanzprojekte oder neue Shootings. Eine Gala endet also nicht unbedingt mit dem letzten Vorhang.

Und auch deshalb fotografiere ich solche Veranstaltungen gerne. Natürlich wegen der Bilder. Aber eben auch wegen der Menschen, die man dort trifft und manchmal erst sehr viel später an einer ganz anderen Stelle wieder vor der Kamera hat.

Persönliche Worte von Elena Papageorgiou

Tanz ist Vergänglichkeit in ihrer schönsten Form.

Doch in den Bildern unseres großartigen Fotografen Bernd Hentschel bleibt er lebendig.

Was auf der Bühne nur einen Augenblick dauerte, wird durch seine  Fotografien zu einer Erinnerung, die weiteratmen darf.

Ein Stück Tanz, festgehalten für die Ewigkeit.

Elena Papageorgiou


Ballettatelier Ludwigsburg, Don Quixote, 2026