Next Wave in Eisenach

Eine Einladung nach Eisenach

Gaia Zanirato kannte ich schon vorher. Als sie mich nach Eisenach zu einem besonderen Ballettabend einlud, musste ich daher nicht lange überlegen. Zwei Generalproben von „Next Wave“ standen auf dem Programm und anschließend die Premiere.

Eisenach kannte ich bis dahin kaum. Eine schöne kleine Stadt mit erstaunlich vielen alten Villen und natürlich der Wartburg. Wenn man schon einmal dort ist, gehört für mich der Spaziergang hinauf zur Burg einfach dazu.

Auch das Landestheater selbst ist etwas Besonderes. Das kleine Haus wurde 1879 eröffnet. Finanziert hatte es der Eisenacher Bankier und Fabrikant Julius von Eichel-Streiber, der das Theater anschließend der Stadt schenkte. Rund 500 Zuschauer finden darin Platz. Für mich war es ein wunderbarer Ort für einen Abend, bei dem es vor allem um Bewegung, Energie und ziemlich unterschiedliche Vorstellungen davon ging, was moderner Tanz sein kann. 

[2 Fotos: Theater/Eisenach + erstes Bühnenbild]

Vier Stücke und vier völlig verschiedene Bildwelten

„Next Wave“ besteht aus vier Choreografien, die kaum unterschiedlicher sein könnten.

Den Anfang macht „Chairman Dances“ von Lucinda Childs. Die Bewegungen wirken auf den ersten Blick klar und reduziert, gleichzeitig passiert auf der Bühne unglaublich viel. Gruppen entstehen, lösen sich wieder auf, Bewegungsmuster wiederholen und verändern sich. Fotografisch hat mich das zunächst fast überfordert. Durch die Kamera sieht man schließlich immer nur einen Ausschnitt, während an einer anderen Stelle der Bühne längst etwas Neues passiert. Genau deshalb war ich froh, dieses Stück ein zweites Mal fotografieren zu können. Lucinda Childs arbeitet hier mit einer minimalistischen Bewegungssprache zur Musik von John Adams. 

Danach wird es mit „Concerto for 2“ von Jorge Pérez Martínez viel konzentrierter. Zwei Menschen, Partnerarbeit, Hebungen und Nähe. Die Choreografie zu einem Violinkonzert von Ezio Bosso beschäftigt sich mit unterschiedlichen Momenten einer Beziehung. Nach der großen Bewegung auf der ganzen Bühne im ersten Stück war das auch fotografisch eine völlig andere Aufgabe. 

[2 Fotos: Chairman Dances + Concerto for 2]

Von fließenden Bildern bis zur Jagd

Mit „Ephemerus“ von Ana Isabel Casquilho verändert sich der Abend erneut. Gruppen bilden sich, verschwinden und entstehen an anderer Stelle neu. Vieles fließt ineinander. Die Choreografie war bereits in der vorherigen Spielzeit in Eisenach zu sehen und wurde für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST nominiert. Gerade diese ständig wechselnden Formationen waren für mich fotografisch spannend. 

Und dann kommt „The Hunt“ von Robert Battle.

Spätestens da versteht man, warum dieses Stück am Ende des Abends stehen muss. Zu den harten Percussion-Klängen von Les Tambours du Bronx wird getanzt, gesprungen und mit einer unglaublichen Kraft über die Bühne gegangen. Die Choreografie ist körperlich extrem fordernd und treibt die Tänzerinnen und Tänzer bewusst an ihre Grenzen. 

Für mich kam noch etwas Besonderes dazu. Bei einer Generalprobe sah ich „The Hunt“ mit den Männern, bei der anderen mit den Frauen. Exakt dieselbe Choreografie und trotzdem zwei erstaunlich unterschiedliche Stücke. Bei den Männern blieb mir besonders die enorme körperliche Kraft in Erinnerung. Bei den Frauen sorgten zusätzlich die langen Haare in den schnellen Bewegungen für eine ganz andere Dynamik in den Bildern.

Das war natürlich ein Geschenk für einen Fotografen. Normalerweise bekommt man bei einer unbekannten Choreografie genau eine Chance. Hier konnte ich erleben, wie stark sich die Wirkung verändert, obwohl die Bewegungen dieselben bleiben. Dass das Theater tatsächlich getrennte männliche und weibliche Besetzungen für „The Hunt“ vorsieht, findet sich auch in der offiziellen Besetzungsliste. 

[2 Fotos: Ephemerus + The Hunt, eventuell Männer/Frauen als Paar besonders stark]

Und dann einmal ohne Kamera

Zwei Generalproben zu fotografieren war ungewöhnlicher Luxus. Beim ersten Mal versucht man herauszufinden, was überhaupt passiert. Beim zweiten Mal weiß man schon ein wenig mehr: Wo entsteht gleich eine interessante Formation? Wann kommt ein Sprung? Wo sollte ich besser nicht zu eng fotografieren, weil gleich an einer anderen Stelle etwas Entscheidendes passiert?

Bei der Premiere konnte ich den Abend dann noch einmal ohne Kamera vor dem Auge erleben. Gerade das erste Stück, das mich beim ersten Fotografieren noch ziemlich verwirrt hatte, erschloss sich mir dabei ganz anders. Plötzlich musste ich nicht mehr ständig entscheiden, welchen kleinen Ausschnitt ich festhalten wollte. Ich konnte einfach die ganze Bühne sehen.

Vielleicht ist das einer der merkwürdigen Widersprüche der Tanzfotografie. Man ist sehr nah an einer Aufführung und beobachtet sie unglaublich konzentriert. Gleichzeitig sieht man sie durch die Kamera manchmal weniger vollständig als jemand, der einfach im Publikum sitzt.

Auch abseits der Bühne hat sich der Ausflug gelohnt. Das Ensemble war ein tolles Team, es gab viele gute Gespräche, neue Bekanntschaften und auch ein unerwartetes Wiedersehen. Mit Ballettmeisterin Verónica Villar Galaz traf ich jemanden wieder, den ich noch aus ihrer Zeit beim Staatsballett Karlsruhe kannte. 

Nach drei Abenden, vier Choreografien und ziemlich vielen Bildern war ich jedenfalls froh, nach Eisenach gefahren zu sein. Sicher nicht zum letzten Mal.

[2 Fotos: vielleicht Gaia/Ensemble + etwas Persönliches oder Schlussapplaus]

Persönliche Worte vom Theater

Hier wäre noch Platz für  das Theater

Vielleicht ein paar persönliche Worte dazu, wie wichtig so eine Gala für dich und die Tänzerinnen und Tänzer ist und welche Rolle die Fotos von der Vorstellung für dich spielen. Oder auch, was du gerade für neue Ideen im Kopf hast. Ganz wie du möchtest.