Porträt, Ina Megerle an altem Eisenbahn Wagon Fotospaziergang mit Ina Megerle

Fotospaziergang mit Ina Megerle: Improvisation und Tanz in Karlsruhe

Ein Fotospaziergang in Karlsruhe am Rheinhafen

Ina Megerle habe ich beim Karlsruher Ensemble Kiesecker | Höß kennengelernt, mit dem ich seit einiger Zeit immer wieder zusammenarbeite. Ina tanzt Modern und Contemporary Dance. Am 6. August 2026 trafen wir uns zu einem gemeinsamen Fotospaziergang am Rheinhafen in Karlsruhe.

Wir wollten keine klassischen Tanzbilder vor einem neutralen Hintergrund machen. Gesucht war ein Ort mit urbaner, industrieller und gerne auch etwas maroder Atmosphäre, an dem wir möglichst ungestört fotografieren konnten. Die Umgebung sollte dabei nicht nur Kulisse sein. Die Idee war, sie durch Bewegung, Körperformen und Improvisation in die Bilder einzubeziehen.

Wir begannen gegen 18 Uhr und fotografierten bis in die einsetzende Dämmerung. Diesmal hatte ich meine Blitze ganz bewusst zu Hause gelassen. Eine Ausnahme für mich, denn normalerweise gestalte ich bei Tanzshootings das Licht sehr gezielt. Bei diesem Spaziergang wollte ich ausschließlich mit dem vorhandenen Licht arbeiten.

Erst der Ort, dann die Bewegung

Meine Arbeitsweise war bei diesem Shooting so, wie eigentlich immer, wenn ich draußen fotografiere: Zuerst schaue ich mir Licht und Umgebung an. Was ist an diesem Ort interessant? Welche Linien, Flächen, Strukturen oder Lichtstimmungen könnten Teil eines Bildes werden?

Erst dann entsteht eine Idee für die Szene. Ina improvisiert dazu mit Bewegung und Körperformen, wir sprechen miteinander und entwickeln gemeinsam, was an diesem Ort funktionieren könnte. Ina wählte dazu die passende Kleidung und die Posen, während ich mich um Perspektive und Bildausschnitt kümmerte.

Manchmal steht dabei die Tänzerin deutlich im Mittelpunkt. Manchmal wird sie sehr klein und die Umgebung übernimmt einen großen Teil des Bildes. Und manchmal interessiert mich nur eine Körperform oder ein Detail. Bei einigen Aufnahmen interagierte Inas Körper so stark mit der vorhandenen Struktur, dass ich ganz bewusst nur Ausschnitte fotografierte und beispielsweise ihr Gesicht gar nicht mehr im Bild zu sehen ist.

Und dann werden es doch wieder Porträts

Eigentlich waren wir losgezogen, um Tanzbilder zu machen. Allerdings fotografiere ich ausgesprochen gerne Porträts. So sind auch bei diesem Shooting wieder überraschend viele Porträts entstanden.

Das empfinde ich nicht als Abweichung vom ursprünglichen Plan. Gerade bei einem solchen Fotospaziergang können sich Tanzfotografie und Porträt sehr schön miteinander verbinden. Ausdruck, Haltung und Körpersprache verschwinden schließlich nicht, nur weil die Bewegung für einen Moment stillsteht.

Improvisationen vor und hinter der Kamera und das Einlassen auf das, was man gerade vorfindet, sind sowieso genau das, was mich an „Fotospaziergängen“ an für mich unbekannten Orten reizt.

Eine Kamera, ein Objektiv

Fotografiert habe ich mit meiner Canon EOS R5 Mark II. Obwohl ich weitere Objektive dabeihatte, blieb schließlich fast ausschließlich das Objektiv auf der Kamera, das ich draußen für Tanz und Porträts bei solchen Fotospaziergängen besonders gerne verwende: eine 85-mm-Festbrennweite.

Die Brennweite zwingt mich gelegentlich dazu, Abstand zu nehmen und meinen Standort sehr bewusst zu wählen. Gleichzeitig gefällt mir gerade bei Porträts und körperbetonten Aufnahmen die Bildwirkung. Bei diesem Shooting konnte ich damit sowohl sehr enge Ausschnitte als auch Bilder gestalten, in denen Ina nur ein kleiner Teil einer wesentlich größeren Szene ist.

Durch die große Blendenöffnung des Objektivs kann ich außerdem sehr frei entscheiden, wie stark ich die Umgebung einbeziehen möchte: vom deutlich erkennbaren Hintergrund bis hin zu einer starken Unschärfe. Gerade bei einem Fotospaziergang, bei dem die Umgebung Teil des Bildes sein soll, ist das für mich ein wichtiges Gestaltungsmittel.

Farbe oder Schwarzweiß?

Auch die Entscheidung zwischen Farbe und Schwarzweiß stand nicht schon beim Fotografieren fest. Sie entstand später bei der Auswahl und Bearbeitung der Bilder. Manche Motive leben von den Farben und der Lichtstimmung des Ortes. Bei anderen lenkt Farbe eher von Formen, Strukturen und der Bewegung ab. Deshalb sind aus demselben Fotospaziergang sowohl farbige als auch Schwarzweiß-Aufnahmen entstanden.

Viel improvisieren, wenig Zeit verlieren

Was das Shooting besonders angenehm machte, war die gute Kommunikation. Wir mussten nicht lange an einzelnen Situationen arbeiten. Eine Idee entstand, Ina griff sie auf, wir veränderten Bewegung, Perspektive oder Ausschnitt, bis es uns beiden gefiel.

Bei etlichen Szenen war uns vorher gar nicht klar, wie sie sich entwickeln würden. Umso schöner war es, immer wieder zu entdecken, was wir gemeinsam an diesen eher ungewöhnlichen Orten realisieren konnten.

So wurde es ein schnelles Shooting voller Improvisationen, aus dem ganz unterschiedliche Bilder hervorgegangen sind: Tanzfotografien und Porträts, große Szenen und sehr enge Ausschnitte, Farbe und Schwarzweiß.


Weitere Filme und Einblicke in meine Tanzfotografie gibt es auf meinem YouTube-Kanal @Tanzfotografie.

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Bilder unseres Fotospaziergangs