Eine Gala ist mehr als eine Aufführung
Ich freue mich immer, wenn Elena Papageorgiou von der Ballettakademie Ludwigsburg anruft.
Ich freue mich immer, wenn Elena Papageorgiou von der Ballettakademie Ludwigsburg anruft. 2018, 2022 und 2026 habe ich dort die Galavorstellungen fotografiert. Die Schule arbeitet auf hohem Niveau, gleichzeitig ist die Atmosphäre sehr herzlich, auch hinter der Bühne.
In diesen Jahren habe ich sehr unterschiedliche Programme erlebt. Kleine Kinder standen neben fortgeschrittenen Schülerinnen und Schülern auf der Bühne, klassisches Ballett neben moderneren Stücken, große Gruppen neben Solisten. Genau diese Mischung macht solche Galas für mich fotografisch interessant.
In einer Ballettschule treffen sehr unterschiedliche Menschen aufeinander. Kleine Kinder stehen vielleicht mit drei Jahren zum ersten Mal auf einer Bühne, andere tanzen seit vielen Jahren, manche bis ins hohe Alter. Für einige ist Tanz ein schönes Hobby, andere bereiten sich ernsthaft auf eine weiterführende Ausbildung oder vielleicht sogar eine professionelle Laufbahn vor.
Die großen Gala- oder Jahresvorstellungen sind für alle etwas Besonderes. Die Schülerinnen und Schüler können zeigen, was sie gelernt haben, Lehrerinnen und Lehrer zeigen einen Teil ihrer Arbeit und Familien und Freunde bekommen zu sehen, was sonst oft hinter Studiotüren passiert. Für die Tanzenden selbst ist so ein Termin natürlich auch eine Motivation.
Fotografisch bedeutet das etwas anderes als bei einer professionellen Theaterproduktion. Die Eltern möchten nicht nur das schönste Gesamtbild der Aufführung sehen. Wenn ein Kind nur für kurze Zeit auf der Bühne steht, ist genau dieser Moment für die Familie wichtig. Mein Ziel ist deshalb, möglichst von allen Beteiligten gute Bilder mit nach Hause zu bringen.
Hinter der Bühne
Ich fotografiere bei solchen Terminen nicht nur die eigentliche Vorstellung. Gerade hinter der Bühne entstehen oft Bilder, die ich besonders mag.
Dort werden Kostüme gerichtet, Haare gemacht, Schuhe gebunden und noch schnell Bewegungen wiederholt. Eltern helfen, Lehrer geben letzte Hinweise und irgendwo dazwischen warten kleine Tänzerinnen und Tänzer hoch konzentriert auf ihren Auftritt.
Viele der Kostüme sind mit großem Aufwand entstanden, oft auch mit Hilfe engagierter Eltern. Überhaupt wäre eine solche Gala ohne die vielen Menschen hinter der Bühne kaum möglich.
Wenn man dort unauffällig fotografieren kann, entstehen manchmal sehr persönliche Bilder: ernste kleine Gesichter, konzentrierte ältere Schülerinnen, ein kurzer Blick zwischen zwei Tänzern oder ein Lehrer, der noch etwas erklärt. Man sollte dabei allerdings wissen, wann man besser nicht im Weg steht. Backstage ist kein Fotostudio.
Bevor es losgeht
Am liebsten fotografiere ich bei der Generalprobe. Ich kann näher an die Bühne, störe weniger und habe häufig etwas mehr Bewegungsfreiheit als während einer öffentlichen Vorstellung.
Außerdem bekomme ich einen Eindruck davon, was später passieren wird. Gerade bei einer großen Gala mit vielen Gruppen und sehr unterschiedlichen Stücken ist das hilfreich. Ein klassisches Ballett verlangt fotografisch etwas anderes als eine moderne Choreografie, eine große Gruppe etwas anderes als ein Solo.
Manchmal entstehen vor oder nach der Probe auch Gruppenbilder. Gerade bei Tanzschulen können sie eine schöne Ergänzung zu den Bühnenfotos sein.
Und dann gibt es die letzten Minuten auf der Bühne: Licht ausprobieren, Positionen kontrollieren, Abstände korrigieren. Noch ist es Probe, aber die Konzentration ist oft schon dieselbe wie später bei der Vorstellung.
Don Quixote
Bei einer solchen Gala kann innerhalb weniger Minuten fotografisch alles wechseln. Gerade noch stehen kleine Kinder in lustigen Kostümen auf der Bühne, kurz danach folgt ein anspruchsvolles klassisches Solo und anschließend vielleicht eine moderne Gruppenarbeit.
Manche Schülerinnen und Schüler stehen im Laufe des Abends mehrfach auf der Bühne und tauchen plötzlich in einer völlig anderen Rolle wieder auf. Das finde ich immer wieder erstaunlich. Man glaubt gerade, jemanden fotografisch kennengelernt zu haben, und eine halbe Stunde später steht derselbe Mensch mit einem anderen Kostüm, einer anderen Bewegungssprache und einer völlig anderen Ausstrahlung vor der Kamera.
Für mich heißt das: aufmerksam bleiben. Die ganze Bühne im Blick behalten und gleichzeitig einzelne Personen sehen. Gruppen, Solisten, schnelle Bewegungen, ruhige Momente, unterschiedliche Lichtstimmungen. Bei unbekannten Choreografien weiß ich oft nicht, was in der nächsten Sekunde passiert.
Nach solchen Terminen bin ich meistens ziemlich geschafft. Die Tänzerinnen und Tänzer haben körperlich gearbeitet, ich auf meine Weise auch.
Aber man bekommt dafür die Chance auf sehr unterschiedliche Bilder. Und vielleicht noch wichtiger: Man kann den Beteiligten und ihren Familien Erinnerungen geben, die bleiben.
Ein Solo bleibt hängen
Bei der Gala 2026 im [Name des Saals] gab es viele Stücke und viele Bilder, die mir gefallen haben. Ein Solo ist mir aber besonders im Gedächtnis geblieben: [Titel des Solos] von [Name der Tänzerin].
Die Choreografie war dynamisch, spannend und emotional, dazu eine Musik, die einen sofort mitgenommen hat. Besonders stark war für mich das große Tuch, mit dem die Tänzerin gearbeitet hat. Es entstanden ausladende Bilder, bei denen Bewegung, Körper und Stoff fast zu einer gemeinsamen Form wurden.
Gleichzeitig gab es ganz andere Momente. Wenn ich näher an sie herankam, entstanden fast Porträts mitten im Tanz. Der direkte Blick, das Gesicht und die Emotion wurden plötzlich wichtiger als die große Bewegung.
Gerade diese beiden Seiten innerhalb eines einzigen Solos haben mir gefallen: einmal der ganze Raum und die Bewegung des Tuches, dann wieder nur ein Mensch und ein Gesicht.
Was danach bleibt
Solche Termine sind für mich nicht nur wegen der fertigen Bilder interessant. Man trifft Menschen wieder, lernt neue kennen und manchmal führt eine Begegnung später zu etwas ganz anderem.
Ein Beispiel ist Katja Trautwein. Sie war schon als Tänzerin bei mir im Studio in Karlsruhe und war später Regisseurin von „Bewegungsmoment“, einem Film, über den ich in einer anderen Story erzähle.
Bei der Gala „Don Quixotte“ der Ballettakademie Ludwigsburg habe ich sie 2026 wieder als Tänzerin auf der Bühne getroffen. So kreuzen sich die Wege manchmal über Jahre hinweg und in ganz unterschiedlichen Rollen.
Auch aus Begegnungen mit Lehrerinnen, Lehrern oder älteren Schülerinnen und Schülern entstehen gelegentlich freie Tanzprojekte oder neue Shootings. Eine Gala endet also nicht unbedingt mit dem letzten Vorhang.
Und genau deshalb fotografiere ich solche Veranstaltungen gerne. Natürlich wegen der Bilder. Aber auch wegen der Menschen, die man dabei trifft und manchmal Jahre später an einer ganz anderen Stelle wieder vor der Kamera hat.