53 Sportler und ein mobiles Fotostudio

Ein Fotoprojekt mit dem Badischen Turner-Bund

Das Fotostudio reist zu den Sportlern

2016 fragte mich der Badische Turner-Bund, ob ich für ein gemeinsames Fotoprojekt Athletinnen und Athleten aus ganz unterschiedlichen Sportarten fotografieren möchte. Die Idee war, die Vielfalt des BTB nicht mit klassischen Trainings- oder Wettkampffotos zu zeigen, sondern die Sportarten fotografisch in Szene zu setzen.

Von Anfang an habe ich das Projekt gemeinsam mit Verena König vom BTB entwickelt und umgesetzt. Sie begleitete es von den ersten Überlegungen über die Fototermine bis zum Kalender und zu den späteren Ausstellungen, unter anderem in der Rothaus-Brauerei und im Haus des Sports in Karlsruhe.

Bei dem Projekt sollten die Sportlerinnen und Sportler nicht zu mir ins Studio kommen. Die Bilder sollten dort entstehen, wo sie normalerweise trainieren. Also musste mein Fotostudio reisen.

An vier Fototagen waren wir in Baden unterwegs. Fotografiert wurde in Neuried, Karlsruhe, Heidelberg und Freiburg, in sechs Sporthallen, einem Schwimmbad und draußen im Freiburger Seepark. Insgesamt standen 53 Athletinnen und Athleten aus 19 Vereinen vor meiner Kamera.

Mit dabei waren jedes Mal mehrere Blitzgeräte, Stative und häufig große schwarze Moltontücher. Aus einer ganz normalen Sporthalle oder einem Schwimmbad wurde so für ein paar Stunden ein ziemlich großes Fotostudio.

Sportfotografie also einmal ganz anders: nicht bei Wettkämpfen, Turnieren oder im normalen Training. Alle Bilder entstanden in enger Abstimmung mit den Sportlerinnen und Sportlern und wurden für die Kamera bewusst inszeniert.

Leah Grießer, Kunstturnen
Making-of, Badischer Turner-Bund 2017, Fotos: Bernd Hentschel, Verena König, Michael Akstaller, Jenny Faulhaber

Jede Sportart stellte eine andere Aufgabe

Was auf den fertigen Bildern oft selbstverständlich aussieht, war fotografisch manchmal ziemlich aufwendig.

Beim Wasserspringen in Freiburg wollte ich die Springer möglichst genau von oben fotografieren. Dafür durfte ich nach Rücksprache mit dem Hausmeister auf die Wartungsstege im Dach der Schwimmhalle. Von dort hatte ich die gewünschte Perspektive, war aber ziemlich weit von den Blitzgeräten entfernt. Ihre Leistung konnte ich per Funk steuern, ihre Position natürlich nicht. Also dirigierte ich meine Assistentin Jenny Faulhaber von oben durch die Halle, bis die Blitze dort standen, wo ich sie brauchte.

Auch das Bild von Caroline Eble war erst nach Ende des öffentlichen Badebetriebs möglich. Mit großen schwarzen Moltontüchern konnten wir den Hintergrund so gestalten, dass aus der Schwimmhalle für kurze Zeit ein Fotostudio wurde. Das Making-of zeigt ganz gut, wie viel Aufwand hinter dem fertigen Bild steckt.

Beim Trampolinturnen war die Aufgabe wieder völlig anders. Die Sportler sprangen sehr hoch, gleichzeitig sollte auf dem Foto aber auch das Trampolin sichtbar bleiben. Zum Glück war die Halle groß genug, sodass ich weit genug zurückgehen konnte, um beides zusammen ins Bild zu bekommen.

Beim Rope Skipping machte ausgerechnet das wichtigste Sportgerät Probleme: Das Wettkampfseil war so dünn und schnell, dass es selbst mit Blitzlicht auf den Bildern kaum sichtbar wurde. Für die Fotos verwendeten wir deshalb etwas dickere Übungsseile. Ein Ergebnis ist oben in der durchlaufenden Titelleiste zu sehen: als Kalenderblatt für den Februar.

Kaja Winke Hadenfeld, TV Kollnau-Gutach, Kunstspringen (Schwimm-Fünfkampf)
Caroline Eble, TV Konstanz, Kunstspringen (Jahnwettkämpfe), BTB, Freiburg Caroline Eble, TV Konstanz, Kunstspringen (Jahnwettkämpfe)

Erst verstehen, dann fotografieren

Bei einigen Sportarten wusste ich vorher ziemlich genau, welche Bewegungen mich erwarten würden. Bei anderen überhaupt nicht. Trampolinspringen, Ringtennis oder Fechten gehörten beispielsweise nicht unbedingt zu den Sportarten, deren Bewegungsabläufe ich gut kannte.

Deshalb schaute ich mir vor den Fototerminen Videos von Wettkämpfen im Internet an. Manchmal stand ich dabei sogar mit der Kamera vor dem Bildschirm und versuchte, mich auf die richtigen Momente einzustellen. Das sah vermutlich etwas merkwürdig aus, half aber tatsächlich dabei, ein vorausschauendes Gefühl dafür zu bekommen, wann etwas passieren würde.

Es war eine richtig große Bandbreite: Gerätturnen, Trampolinturnen, Rhythmische Sportgymnastik, Rope Skipping, Faustball, Orientierungslauf, Fechten, Ringtennis, Schwimmen und Kunstspringen waren dabei. Jede Sportart brachte durch ganz andere Bewegungen andere fotografische Herausforderungen mit.

Obwohl die Termine gut geplant und abgestimmt waren, gab es jeweils vorbereitenden Diskussionen. Die Sportlerinnen und Sportler kannten ihre Sportart natürlich viel besser als ich und brachten eigene Vorschläge mit. Auch die Ideen und Meinungen der Trainer waren hilfreich. Aber nicht alles, was sportlich interessant war, funktionierte auch als Foto. Manches ging gar nicht und manches erst nach Variation der Ursprungsidee.

Annika Drescher, TV Nöttingen, Trampolinturnen

Was aus den Bildern wurde

Die Fotos verschwanden anschließend nicht einfach auf einer Festplatte. Schon während des Projektjahres wurden Aufnahmen für die Öffentlichkeitsarbeit des BTB verwendet. Im Mai und im August 2016 erschienen Bilder aus der Serie auf den Titelseiten der Badischen Turnzeitung. Im November folgte dort ein ausführlicher Making-of-Bericht über das Projekt.

Aus den Aufnahmen entstand außerdem der Wandkalender „Badischer Turner-Bund 2017“. Die 13 Kalenderbilder sind oben in der Laufleiste dieser Seite zu sehen. Eine Auswahl von 32 großformatigen Bildern ging außerdem als Wanderausstellung auf Reisen. Ihre Premiere hatte sie im Oktober 2016 beim BTB-Gipfeltreffen im Sudhaus der Rothaus-Brauerei.

Im Dezember folgte unter dem Titel „Momente“ eine Ausstellung im Haus des Sports in Karlsruhe. Viele der Bilder wurden auch danach immer wieder für die Öffentlichkeitsarbeit des BTB und bei Veranstaltungen eingesetzt. Einige hängen bis heute in den Räumen des Badischen Turner-Bundes.

Zeitungsartikel „Faszinierende Impressionen“ im KURIER ansehen →


Badischer Turner-Bund 2017 Badischer Turner-Bund 2017

Und dann stand Weinheim Kopf

2017 ging die Zusammenarbeit mit dem BTB weiter. Diesmal entstanden Fotos für das Landesturnfest 2018 in Weinheim unter dem Motto „Weinheim steht Kopf!“.

Die fotografische Idee war diesmal eine völlig andere. Sport sollte humorvoll in der Stadt auftauchen und sich mit dem normalen Stadtbild vermischen. So paddelten zum Beispiel Kanuten nicht auf einem großen Fluss, sondern auf einem aufblasbaren Krokodil durch einen kleinen Bach.


BTB Weinheim steht Kopf, 2017, Faustball BTB Weinheim steht Kopf, 2017

Vom Tanz zum Sport

Für mich war das Projekt gleichzeitig ein ziemlich intensiver Einstieg in die Sportfotografie. Vieles von dem, was ich aus der Tanzfotografie kannte, konnte ich direkt übertragen: Bewegungen lesen, den richtigen Moment vorausahnen und mit Licht Körper und Bewegung gestalten.

 Vieles war aber auch gänzlich anders. Beim Tanzen kenne ich viele Bewegungsabläufe inzwischen sehr gut. Beim Ringtennis, Rope Skipping, Trampolinturnen oder Wasserspringen musste ich mich dagegen erst einmal darauf einstellen, was überhaupt passieren würde und welcher Moment fotografisch interessant sein könnte. 

Und nicht zuletzt sind Sportler auch irgendwie anders drauf als Tänzer - aber das ist dann mal eine ganz andere Story ;-)



Pauline Tratz, Kunstturn Region Karlsruhe, (TSV Weingarten), Kunstturnen
Leah Grießer, Kunstturn Region Karlsruhe (TG Neureut), Kunstturnen
Annika Drescher, TV Nöttingen, Trampolinturnen
Sila Asena Öztürk, TV Lahr, Rhythmische Sportgymnastik
Kaja Winke Hadenfeld, TV Kollnau-Gutach, Kunstspringen (Schwimm-Fünfkampf)
Eric Donath, KTG Heidelberg, Kunstturnen
Cornelia Wörz, Leonie Hilbert, Lea Trummer und Selina Bitz, TSG Seckenheim, Rope Skipping
Pauline Tratz, Kunstturn Region Karlsruhe, (TSV Weingarten), Kunstturnen
Caroline Eble, TV Konstanz, Kunstspringen (Jahnwettkämpfe)
Timo Hufnagel, TV Kieselbronn, Ringtennis
Matthias Aichele, Bonnie Schimmeck und Adrian Breisacher, Gundelfinger Turnerschaft, Orientierungslauf