Abgehoben in Bruchsal
Bruchsal einmal anders
2013 sollte im Alten Schlachthof Bruchsal eine neue Kunst- und Kulturgaststätte entstehen. Iyob Almedo, den damaligen Pächter kannte ich bereits aus Karlsruhe. Er kannte meine Ausstellung „Gegenbesuch“ und fragte mich, ob ich mir für den Schlachthof eine Fotoausstellung vorstellen könnte.
Seine Idee klang zunächst einfach: Bruchsal einmal anders fotografieren. Etwas Ähnliches hatte ich in Karlsruhe mit der Tanzschule Dance Vision für das für das Projekt „Stadtrundflüge“ ( Making-of auf YouTube ) schon mal gemacht. Das Projekt entstand damals zum zehnjährigen Jubiläum der Tanzschule, und alle Beteiligten kamen aus dieser Schule. Entsprechend standen die Tänzerinnen und Tänzer dort stärker im Vordergrund.
Bei „Abgehoben in Bruchsal“ war die Ausgangslage anders. Diesmal stellte ich das Team selbst zusammen und konnte ganz unterschiedliche Menschen aus Tanz, Akrobatik, Sport und Feuerkunst miteinander verbinden. Gleichzeitig wollte ich den Ort selbst viel deutlicher in die Bilder einbeziehen.
Bruchsal kannte ich damals nicht besonders gut. Also begann ich erst einmal damit, mir die Stadt anzusehen. Ich lief durch Straßen und Plätze, schaute mir Bildbände und Postkarten an und wusste danach ziemlich genau, wie ich Bruchsal nicht fotografieren wollte. Bei meinen Streifzügen entdeckte ich viele Orte, die ich fotografisch spannend fand: den Bücherschrank am Babette-Ihle-Platz, das Sportzentrum, die Justizvollzugsanstalt ("Café Achteck" von Heinrich Hübsch) und vieles mehr.
Nun ging es darum zu überlegen, welche Art von Bewegung zu welchem Ort passen könnte. Mir war klar, dass auch hier wieder Tanz und Sport die Bilder prägen sollten. Eine wichtige Rolle spielte dabei von Anfang an Jessica Matthias. Ich kannte sie von der „Langen Nacht der kurzen Stücke“ in Karlsruhe. Für „Abgehoben in Bruchsal“ wurde sie auf der tänzerischen Seite meine wichtigste Ansprechpartnerin. Sie wohnte in der Nähe von Bruchsal und kannte sich dort daher recht gut aus.
Schnell war klar, dass die Bilder nicht einfach nur Tanz oder Akrobatik in einer urbanen Umgebung zeigen sollten. Überraschungen und Humor sollten eine große Rolle spielen. Wir wollten Dinge miteinander kombinieren, die man dort nicht unbedingt erwartet. So entstand zum Beispiel das Einladungsbild mit zwei Ballerinas und einem dominanten Skateboard im Vordergrund. Und die Bildserie sollte der Doppeldeutigkeit des Titels "Abgehoben in Bruchsal" gerecht werden.
Pressetexte zur Ausstellung:
Armin Herberger in den BNN 2.7.2013
Vier Tage unterwegs
An vier Tagen zwischen Ende März und Anfang Mai 2013 war ich schließlich mit Tänzerinnen, Tänzern, einer Akrobatin und einem Feuerkünstler in und um Bruchsal unterwegs.
Die Idee war nicht, sie einfach vor bekannte Gebäude zu stellen. Körper und Umgebung sollten miteinander etwas Neues ergeben. Ungewöhnliche Kombinationen und Humor waren dabei wichtig.
Vieles war bei den einzelnen Terminen vorbereitet und die Grundidee stand, so dass Equipment und Kleidung passend dabei waren. Bei manchen Bildern war die Vorbereitung allerdings ziemlich aufwendig. Besonders bei den Nachtaufnahmen am Belvedere musste vorher klar sein, wie ich das Gebäude und die Tänzerin getrennt voneinander beleuchten konnte und welche Ausrüstung ich dafür brauchte. Auch bei anderen Terminen hatte ich immer ein paar Blitzgeräte dabei.
Ganz planbar waren die vier Tage trotzdem nicht. Bei den ersten beiden Terminen war es so richtig kalt. Und einmal überraschte uns Regen. Statt das Shooting abzubrechen, flüchteten wir in eine Unterführung voller Graffiti. Dort entstanden ganz spontan Bilder mit drei sportlichen Menschen auf Skateboards und Rollschuhen, beleuchtet mit mehreren Blitzen und Farbfolien im regennassen Durchgang. Spontanität und Überraschungen waren immer willkommen, und ein paar Farbfolien für die Blitze habe ich sowieso fast immer im Rucksack dabei.
Viele Menschen für ein gemeinsames Projekt
In den vier Tagen waren sehr viele Menschen beteiligt:
Artur Steigerwaldt, Jessica Matthias, Kristin Spiegler, Maja Vasic, Marion Jannine Preiß, Norma Magalhães, Philip Matthias, Sebastian Dahmen und Tatjana Brenner.
Bei mehreren Terminen wurde ich außerdem von Jenny Faulhaber unterstützt.
Im Folgenden stelle ich die Beteiligten der Reihe nach vor und zeige jeweils einige der Bilder, die wir gemeinsam gemacht haben. Dazu erzähle ich ein wenig darüber, wie die Aufnahmen entstanden sind. Ich hatte alle auch um ein paar persönliche Worte zu dem Projekt gebeten, die ich hier ebenfalls wiedergebe.
In Bruchal unterwegs mit Jessica Matthias
Jessica Matthias war an vielen Orten des Projektes dabei und hat „Abgehoben in Bruchsal“ stark mitgeprägt. Sie war damals Tanzlehrerin bei Sabrina Fleschhacker von der Tanzschule Tanzsektor in Wiesloch. Ich hatte schon sehr viel und sehr Unterschiedliches mit ihr gemeinsam realisiert, so dass sie nicht nur wegen ihrer Ortskenntnis perfekt in das Team passte. Sie fühlte sich sowohl in Spitzenschuhen als auch bei Modern Dance oder Hip-Hop wohl. Auf einigen Fotos sieht man darüber hinaus auch ihr schauspielerisches Talent.
Der Brunnen „Faun und Nymph“ am Friedrichsplatz ist ohnehin ein Hingucker und wurde durch Jessica noch einmal ergänzt. Die außergewöhnliche Fassade des dm-Marktes von Lay Architekten aus München dürfte dagegen vielen Bruchsalern bis dahin kaum besonders aufgefallen sein. Als Kulisse für Jessica mit Maske war sie perfekt.
Das Titelbild zum Projekt mit den beiden Ballerinas und dem Skateboard zeigt im Vordergrund ebenfalls Jessica. Zusammen mit Norma hatte sie im Schlosspark richtig Spaß daran, als schwarze Ballerina auch einmal dem Affen Zucker zu geben und in sehr unterschiedliche Rollen zu schlüpfen.
Auch beim Regen in der Unterführung oder bei den Lichtspielen vor dem Kino in Bruchsal war Jessica wie immer engagiert und kreativ. Vor dem Lichtspielhaus habe ich mit 1/20 Sekunde Belichtungszeit, Mitziehern und Blitzlicht gearbeitet. So entstand ein Bild aus Bewegung, Lichtspuren und eingefrorenen Momenten, also eigentlich genau passend für ein Lichtspielhaus.
Mehr Fotos mir Jessica finden sich weiter unten in der Galerie zu „Abgehoben in Bruchsal“.
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Jessica Matthias aus Bad Schönborn, damals 24 Jahre, Studentin, Tanzlehrerin und Tänzerin in Bruchsal, Wiesloch und Karlsruhe:
Tanz ist die einzige Kunst, in der wir selbst der Stoff sind, aus dem sie gemacht ist“ (L. Schnabel).
Sie existiert in mir nur für den Moment, aber dank Bernd ist dieser festhaltbar.
Jessica Matthias
Schlosspark mit Philip Matthias
Philip Matthias, der Bruder von Jessica und ein begeisterter Sportler, war bei „Abgehoben in Bruchsal“ ebenfalls in mehreren Rollen dabei. Als rasender Skater im Schlosspark und in der regennassen Unterführung war er voller Dynamik. Aber ich glaube, die Rolle im Anzug mit Krawatte als eine Art „Bodyguard“ der Ballerina vor dem Gefängnis und auf dem Marktplatz gefiel ihm besonders gut.
Philip Matthias aus Bad Schönborn, damals 21 Jahre, Sportler und Student:
Der Geophysik-Student fände sich in Bernds Sedimentologie-Labor vielleicht schneller zurecht als vor seiner Kamera, dennoch durfte er ein erfolgreiches erstes Mal und mit viel Spaß abgelichtet werden.
Philip Matthias
Manchmal wird es fast kriminell …
Mit Jessica und ihrem Bruder Philip hatte ich noch eine ganz andere Begegnung. Vor dem sogenannten Café Achteck, der Justizvollzugsanstalt Bruchsal, fotografierte ich die beiden in ihren Rollen als Ballerina und „Bodyguard“. Mein ziemlich auffälliges weißes 70–200-mm-Objektiv blieb dabei offenbar nicht unbemerkt.
Nach kurzer Zeit kam eine Polizeistreife, vermutlich nach einem Hinweis aus der JVA. Nach der Feststellung unserer Personalien wurden wir aufgefordert, die dort entstandenen Bilder zu löschen.
Da ich der Meinung war, dass wir uns auf öffentlichem Grund befanden und die Aufnahmen unter die Panoramafreiheit fallen müssten, entwickelte sich daraus ein etwas längeres Gespräch. Schließlich einigten wir uns darauf, dass ich die Fotos zunächst behalten durfte, sie für die Ausstellung im Alten Schlachthof aber nur verwenden würde, wenn ich vorher ausdrücklich die Zustimmung der Gefängnisleitung bekomme.
Am nächsten Tag rief ich dort an. Das Gespräch mit dem Gefängnisdirektor war erfreulich unkompliziert und ich bekam die Zustimmung zur Verwendung der Bilder. Er bat lediglich darum, bei einer solchen Aktion beim nächsten Mal vorher informiert zu werden. Meine anschließende Frage, ob wir dann beim nächsten Mal vielleicht sogar im Gefängnis ein paar Tanzbilder machen dürften, stieß allerdings auf keine Begeisterung.
Im Schlosspark mit Norma Magalhães
Norma Magalhães hatte damals gerade ihr Studium an der Akademie des Tanzes Mannheim abgeschlossen und erste Bühnenerfahrungen am Badischen Staatstheater Karlsruhe gesammelt. Noch 2013 ging sie zum Thüringer Staatsballett.
Mit Studierenden der Akademie des Tanzes Mannheim hatte ich durch die räumliche Nähe zu Karlsruhe immer wieder Kontakt, und viele waren zu Fototerminen bei mir im Studio. So auch Norma.
Wegen ihrer besonderen tänzerischen Fähigkeiten und ihrer sehr offenen und neugierigen Art gehörte sie zu den ersten, die ich für das Team von „Abgehoben in Bruchsal“ angesprochen habe.
Bei dem Fototermin rund um das Bruchsaler Schloss tanzte sie als weiße Ballerina neben Jessica als schwarzer Ballerina. Dabei entstanden sehr viele Bilder, die später auch in der Ausstellung zu sehen waren. Gerade mit dem Skateboard als Accessoire wurde die Serie ein wenig frech und humorvoll.
Auch der Tag, an dem wir vor dem Regen in die Unterführung geflüchtet sind, hat ihr großen Spaß gemacht. Und als Ballerina vor dem Schloss war sie ohnehin ganz in ihrem Element.
In der Galerie weiter unten finden sich deshalb etliche Bilder mit Norma.
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Norma Magalhães aus Sao Paulo, damals 20 Jahre Studentin an der Akademie des Tanzes an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim:
There are always wonderful results when you put two beautiful arts like dance and photography together.
Bernd has the gift to make a unique and quick movement last forever. His work shows the strength and the softness all in one picture.
It‘s amazing how he can find beauty all around himself. Looking to empty streets or big castles he could always find the perfect place to make our photographies. He made me realize how beautiful every single place can be, if you look at it the right way.
Norma Magalhães
Ein rotes Haus mit Marion Jannine Preiß
Mit Marion Jannine Preiß war ich in Untergrombach, einem Ort direkt bei Bruchsal. Marion ist Absolventin der Palucca Hochschule für Tanz, mit der ich seit vielen Jahren zusammenarbeite.
In der Ortsmitte von Untergrombach gibt es eine Kreuzung mit einem sehr auffälligen roten Haus. Dieses markante Gebäude wollte ich sowohl tänzerisch als auch dynamisch in das Projekt integrieren. Dabei habe ich allerdings einen anderen Weg gewählt: Nicht nur das Haus, sondern auch die Tänzerin sollte vollkommen ruhig sein. Die Dynamik sollte durch einen um die Ecke fahrenden LKW bei langer Belichtungszeit ins Bild kommen.
Die ersten Versuche klappten gleich erstaunlich gut. Marion hielt sich bei einer Belichtungszeit von einer Sekunde sehr elegant an einem Verkehrsschild fest, damit sie vollkommen ruhig blieb.
Und dann hatten wir noch richtig Glück: Ein komplett weißer LKW bog um die Ecke. Keine störende Werbung, keine bunte Beschriftung, sondern genau der Hintergrund, den ich für das Bild brauchen konnte.
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Marion Jannine Preiß aus Bruchsal, damals 37 Jahre
Dipl. Balletttänzerin, Freischaffende Tänzerin und Tanzpädagogin. Mutter von drei Kindern:
Hätte mir jemand vor zwei Jahren gesagt, dass ein neues Abenteuer auf mich in meiner Geburtsstadt wartet, ..... hätte ich es ihm nicht geglaubt ..... my Lord, Danke!
Marion Jannine Preiß
Viel Feuer mit Sebastian Dahmen
Mit Sebastian Dahmen verbindet mich seit Jahren eine ganz besondere Freundschaft. Immer wenn er Feuer sieht, bekommt er leuchtende Augen. Da wir schon sehr unterschiedliche „richtig heiße Shootings“ zusammen gemacht hatten, lag es nahe, ihn auch für dieses Projekt hinzuzubitten.
Am Skatepark beim Sportzentrum haben wir gemeinsam mit der Akrobatin Kristin Spiegler "mit dem Feuer gespielt".
Besonders gefallen hat mir ein Setting, bei dem Sebastian mit einem brennenden Seil in einer Halfpipe hinter Kristin eine Feuerwand erzeugte. Dafür habe ich mit einer Belichtungszeit von vier Sekunden gearbeitet. Während Sebastian mit dem brennenden Seil die Lichtspur erzeugte, blieb Kristin ganz ruhig an ihrer Position. Zum passenden Zeitpunkt habe ich sie zusätzlich mit zwei seitlich angeordneten Blitzgeräten beleuchtet. Durch die Kombination aus langer Belichtungszeit und der sehr kurzen Abbrennzeit der Blitze entstand die besondere Wirkung des Bildes: die Feuerwand als Bewegungsspur und Kristin gleichzeitig scharf abgebildet.
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Sebastian Dahmen aus Karlsruhe, damals 31 Jahre, Feuerkünstler:
So wütend zerstörend, wärmend und nährend, chaotisch und so geordnet in seiner wahnsinnigen Perfektion des Augenblicks, gebannt und gefangen in Bruchsal durch den Künstler von Zeit und Licht.
Feuer, das reine Chaos dessen Anziehung ich mit vollem Herzen erliege.
Sebastian Dahmen
Mit Kristin Spiegler am Michaelsberg
Die Ausnahmeakrobatin Kristin Spiegler kannte ich schon, bevor ich sie für dieses Projekt ins Team geholt habe. Ihre besonderen Fähigkeiten als Kontorsionsakrobatin sieht man zum Beispiel auf einem Bild vor dem Bahnhof, wo sie sich in einer ziemlich ungewöhnlichen Haltung einen Parkschein am Automaten löst.
Für ein Bild am Bücherregal am Babette-Ihle-Platz in Bruchsal nahm sie beim Lesen eines Buches eine wirklich sehr entspannte Körperhaltung ein. Schon beim Anblick tun mir die Gelenke weh. Um dieses Bild etwas ungewöhnlicher zu beleuchten, habe ich in einige Fächer des Regals Blitzgeräte mit unterschiedlichen Farbfiltern gelegt und per Funk ausgelöst. Ihr Gesicht habe ich mit einem weiteren Blitz seitlich von vorn mit einem Reflektionsschirm ausgeleuchtet.
Auch am Michaelsberg vor der Kapelle zeigte Kristin ihre akrobatischen Fähigkeiten. Dort hatte ich mehrere größere Blitzgeräte dabei, um sie gleichmäßig auszuleuchten Siehe Galerie.
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Kristin Spiegler aus Karlsruhe, damals 24 Jahre Akrobatin:
Als Akrobatin strebt man nach der absoluten Körperbeherrschung und Perfektion.
Mit Anspannung und Konzentration betreten wir die Bühne, absolutes Vertrauen in den Partner, mit eleganter Leichtigkeit fliegen wir über die Köpfe des Publikums, Applaus- unser Ziel ist zu begeistern und zu berühren.
Kristin Spiegler
Mit Tatjana Brenner auf der Rennbahn
Tatjana Brenner war mir als Solistin im klassischen Ballett bei einer „Langen Nacht der kurzen Stücke“ in Karlsruhe positiv aufgefallen. Ich fragte deshalb Frau Burghadt, ihre Ballettlehrerin an der Musik- und Kunstschule Bruchsal, ob sie Tatjana und ihre Eltern fragen würde, ob sie bei „Abgehoben in Bruchsal“ mitmachen möchte. Tatjana war sofort dabei.
Wir trafen uns mit Jessica am Sportzentrum und machten dort aus zwei Ballerinas zwei Sportlerinnen. Ein paar Kinder spielten gerade Fußball und beobachteten ziemlich interessiert, was wir da machten. Für ein Bild mit den beiden Tänzerinnen in Spitzenschuhen beim Elfmeter liehen sie uns gerne ihren Ball. Auf dem fertigen Foto sind die Beiden im Hintergrund zu sehen.
In der Galerie weiter unten gibt es außerdem ein Bild, auf dem Tatjana zusammen mit Jessica zum 100-Meter-Sprint startet, natürlich ebenfalls in den "passenden" Spitzenschuhen.
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Tatjana Brenner aus Bruchsal, damals 15 Jahre:
Tanzen ist träumen mit den Beinen“ (Herwig Mitteregger)
Dazu sagt Tatjana: „Ich finde Menschen brauchen mehr Gelegenheiten zum Träumen, denn das macht glücklich.
Tatjana Brenner
Nachts am Belvedere mit Maja Vasic
Maja Vasic war mir von Tom Naumann von der Musik- und Kunstschule Bruchsal empfohlen worden. Tom, Dozent für Medien, Fotografie und Bildende Kunst an der Kunstschule, hielt übrigens später auch bei der Vernissage die Eröffnungsansprache.
Maja wurde an der New York City Dance School zur Bühnentänzerin ausgebildet und unterrichtete später an der Musik- und Kunstschule Bruchsal kreativen Kindertanz und Ballett.
Mit ihr hatte ich mir etwas ganz Besonderes ausgedacht. In Bruchsal steht auf einem kleinen Hügel das historische Belvedere. Das ehemalige Schießhaus wurde im 18. Jahrhundert erbaut und stammt aus derselben barocken Epoche wie das Bruchsaler Schloss. Nachts ist es nicht beleuchtet und wirkt im Dunkeln eher unscheinbar. Als ich abends dort war, begegneten mir nur ein paar Spaziergänger mit Hunden.
Für das Projekt wollte ich das Belvedere so ausleuchten, wie historische Gebäude nachts häufig angestrahlt werden: mit warmem, orangem Licht aus mehreren Richtungen. Ich habe eine Weile zu Hause überlegt, wie sich das realisieren lässt, und kam schließlich mit einem Koffer voller Blitzgeräte zum Fototermin.
Das Einrichten der Beleuchtung dauerte eine ganze Weile. Vier Blitzgeräte mit Farbfolien leuchteten das Gebäude aus, ein weiterer Blitz in Telestellung war gezielt auf Maja hinter dem Brunnen gerichtet. Maja musste währenddessen geduldig in ihrer dicken Jacke in der Kälte warten.
Das eigentliche Shooting dauerte dann nur wenige Sekunden. Nach ein paar Sprüngen mit Spiegelungen im Brunnen hatten wir das Bild, das ich mir vorgestellt hatte. Danach konnte ich alles wieder einpacken.
An diesem Tag entstand ein Bild des bei Nacht beleuchteten Belvedere, welches bei der Vernissage zu mehr als einem nachdenklichen Blick geführt hat.
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Maja Vasic aus Heidelsheim, damals 22 Jahre Tänzerin bei der Kunst- und Musikschule Bruchsal:
Nur das Tanzen ermöglicht mir ein Gefühl der Zeitlosigkeit und Unbeschwertheit, dass im Alltag leider viel zu kurz kommt.
Maja Vasic
Alter Schlachthof mit Artur Steigerwaldt
Artur Steigerwaldt kam aus dem Breakdance. Ich kannte ihn bereits aus vielen gemeinsamen Projekten in Karlsruhe. Auch bei Fotokursen hat er mich immer mal wieder unterstützt. Heute unterrichtet er Breakdance in Ettlingen.
Für ihn war das Bruchsaler Shooting trotzdem eine neue Erfahrung. Besonders gefallen hat ihm die fröhliche Stimmung bei den Shootings im Club und vor allem im Foyer des Alten Schlachthofs. Dort ließ er Jessica voller Übermut und mit ordentlich Tempo in einem Einkaufswagen durch den Raum rasen.
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Artur Steigerwaldt aus Karlsruhe, 25 Jahre, Student des Maschinenbaus:
Das Tanzen entdeckte ich mit 13 Jahren. Was anfangs nur Breakdance war entwickelte sich später in alle Richtungen und führte mich zu Tanzgruppen wie Jazzaret und Addicted.
Das Fotoshooting mit Bernd in Bruchsal war für mich eine neue Erfahrung, die mir großen Spaß gemacht hat und aus der ich viel mitgenommen habe. Durch das Tanzen habe ich die Möglichkeit meinen Gefühlen und Gedanken Ausdruck zu verleihen. Es ist das i-Tüpfelchen meines Lebens!
Artur Steigerwaldt
Von den Shootings zur Ausstellung
Im Sommer 2013 wurden die Bilder schließlich unter dem Titel „Abgehoben in Bruchsal“ im Alten Schlachthof gezeigt. Die Ausstellung lief vom 30. Juni bis zum 30. September.
Zur Vernissage kamen Bewegung und Bilder noch einmal zusammen. Svetlana Wottschel und Kristin Spiegler zeigten Akrobatik, Sebastian Dahmen Feuerkunst und die Band Blackbird sorgte für die Musik. Die Einführung hielt Tom Naumann von der Musik- und Kunstschule Bruchsal.
Neben ihnen waren auch fast alle anderen Beteiligten des Projektes bei der Vernissage anwesend. Dadurch entstanden viele gute Gespräche zwischen den Gästen und den Menschen, die auf den Bildern zu sehen waren.
Pressetexte zur Ausstellung:
Armin Herberger in den BNN 2.7.2013